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Große Geodätische Exkursion nach Bayern, 10.-14.10.2005

Montag, 10. Oktober 2005

Pünktlich um 7.00 Uhr verließen wir die heimische  Uni mit dem Fernziel Wettzell. Auf dem Weg sollte aber noch eine kleine Stadtführung in Bamberg die Reisestrapazen etwas mildern. So war unser erstes Ziel in Bamberg das berühmte Schlenkerla Brauhaus. Zum guten bayrischen Essen durfte natürlich auch die Bamberger Spezialität in Form von leckerem Rauchbier nicht fehlen. Rauchbier vom "Schlenkerla" ist ein sehr dunkles, herbwürziges, untergäriges Märzenbier mit 13,5 Prozent Stammwürze, das entspricht einem Alkoholgehalt von ca. 5,1 Prozent. Keine Frage: Es gibt stärkere Biere, doch sollte man es trotzdem nicht unterschätzen. Es  kann einen ganz  schön schlenkern. So „schlenkerten“ wir also als ersten  Punkt unserer Stadtführung zum Rathaus Geyerswörth, benannt nach der Familie Geyer aus Nürnberg. Der Ursprung der Anlage mit ihrem schönen Innenhof geht bis in die Anfänge des 14. Jahrhunderts zurück. Wir setzten nun  unseren Weg über den Geyerwörthsteg fort. Rechts von uns befand sich das Bamberger Mühlenviertel mit ehemaligen Getreide- und Lohmühlen. In den zuletzt genannten Mühlen wurde Eichenrinde gemahlen und beim Kochen entstand in dem Sud Gerbsäure, die von Gerbern verwendet wurde. Der Weg führte uns nun zum alten Ludwig-Donau-MainKanal. An einem  Endteil des alten Kanals befinden sich gegenüber dem Rathaus Geyerswörth zwei interessante Häuser. Es handelt sich dabei um Gerberhäuser, in denen Leder hergestellt  wurde. Es gab die Weißgerber und die Rotgerber. Die Weißgerber stellten die feinen Ledersachen, wie Handschuhe her und die  Rotgerber produzierten die gröberen Ledersachen. Hier am Kanal waren die Rotgerber ansässig. Zur besseren Anschauung bekamen wir auch einige Lederstücke von unserer Stadtführerin gezeigt. Anschließend gelangten wir zum Kaiserdom, der neben den Domen in Mainz, Speyer und Worms eines der ehrwürdigsten Denkmale des Mittelalters darstellt. Geweiht ist der Dom dem hl. Petrus und St. Georg. Kaiser Heinrich begann mit dem Dombau bereits im Jahre 1004,  doch brannte der Dom im Jahre 1081 nieder. Der Folgebau begann 1185 und die Fertigstellung des Doms erfolgte in den Jahren  von 1215 bis 1250, so dass der Dom Bauweisen sowohl aus der Romanik  als auch aus der Gotik aufweist.  Im Dom sahen wir die berühmte Figur des Bamberger Reiters, deren Künstler noch bis heute unbekannt ist. Weiterhin ist nicht bekannt, wen dieser Reiter eigentlich darstellen soll.  Es gibt eine Reihe von  Vermutungen, die sich von Kaiser Heinrich II. selbst, über König Philipp von Schwaben, bis zum Ungarnkönig Stephan, dem Schwager von Kaiser Heinrich, erstrecken. Bekannt ist dieser Reiter dadurch, dass er im Dritten Reich von den Nationalsozialisten als "arisches Symbol" zu Propagandazwecken missbraucht wurde. Eine weitere Sehenswürdigkeit des Doms ist das  Kaisergrab, in dem Heinrich und Kunigunde zur letzten Ruhe gebettet wurden. Als letzte Sehenswürdigkeit in Bamberg gelangten wir zum Alten Rathaus, das dadurch auffällt, dass es mitten im Fluss, der Regnitz, gebaut wurde. Wir konnten an diesem Nachmittag zwar  nur wenige, aber sehr interessante und schöne Eindrücke aus Bamberg mitnehmen. Anschließend fuhren wir weiter zum Landhotel Miethaner in der Nähe von Wettzell, wo wir den ersten Tag bei Speis und bayrischem Trank ausklinken ließen.

Dienstag 11.Oktober 2005

Am Dienstag den  11.10.2005 stand die Besichtigung der Fundamentalstation in Wettzell auf dem Programm. Der Leiter der Station, Herr Dr. Schlüter, gab uns einen allgemeinen Überblick zum Standort Wettzell, deren aktuelle Aufgaben und Projekte. Anfang der siebziger Jahre wurde die Station Wettzell als Satellitenbeobachtungsstation errichtet. Sie ist eingebunden in eine Reihe international koordinierter Messprogramme, vorwiegend mit der Zielsetzung, die globalen Referenzsysteme zu  stützen und Beiträge zur Erdrotation, Plattentektonik, Aufbau globaler/regionaler geodätischer Punktfelder und Vermarkung extraterrestrischer Bezugssysteme zu liefern. Wesentliche Arbeiten sind der kontinuierliche Betrieb, die Weiterentwicklung und die Entwicklung der Messsysteme. Die Datengewinnung konzentriert sich auf: 

  • Radiometrische Messungen zu Quasaren (VLBI), - Entfernungsmessungen zu künstlichen Satelliten und zu den Reflektoren, 
  • auf dem Mond (SLR / LLR), 
  • Beobachtungen zu den Satelliten der Navigationssysteme GPS und GLONASS (künftig auch GALILEO). 

Ergänzend werden ortsbezogene Beobachtungen durchgeführt, die lokalspezifische Informationen für die Raumverfahren liefern. Hierzu zählen: 

  • Zeit- und Frequenzmessungen zur Bereitstellung der Zeitskala und der Bezugsfrequenzen, 
  • Gravimetermessungen zur Erfassung örtlicher Schwereänderungen,
  • Aufzeichnung von Erdbeben mit Seismographen,
  • Wetterdatenerfassung zur Bestimmung der atmosphärischen Refraktionseinflüsse auf die Messungen,
  • Geodätische Messungen zur Bestimmung der Verbindungsvektoren zwischen den einzelnen Messsystemen und zur lokalen Stabilitätskontrolle.

Derzeitige Entwicklungsarbeiten konzentrieren sich auf den lokalen Rotationssensor Ringlaser (Laserkreisel) und das neue Laserentfernungsmesssystem SOS_W. In den Verantwortungsbereich der Fundamentalstation Wettzell fallen weiterhin der Betrieb des Transportablen Integrierten Geodätischen Observatoriums (TIGO) in Concepcion/Chile, der German Antarctic Receiving Station (GARS) in O’Higgins/Antarktis, sowie einiger permanenter eingerichtete GPS / GLONASS Stationen. Im Anschluss an den Vortrag bekamen wir Informationen zum  SLR-Betrieb. Dabei geht es um hochgenaue Laserentfernungsmessungen zu Satelliten, die mit Reflektoren ausgestattet sind. Neben den zahlreich vorhandenen Satelliten wie LAGEOS-I und II, STARLETTE, STELLA, ETALON-I und II, AJISAI, ERS-1, TOPEX-POSEIDON, METEOSAT-1, METEOR-3, dem GPS-SV-35 und den GLONASS-Satelliten, werden auch künftig weitere Satelliten mit Reflektoren ausgerüstet sein, um deren Satellitenbahn genau bestimmen zu können. Dies ist für viele Anwendungen Voraussetzung. Künftig wird auch die Entfernungsmessung zum Mond als Bindeglied an Bedeutung gewinnen, um übergreifende Fragestellungen in den Grenzbereichen Geodäsie und Astrophysik zu klären (Raumkrümmung, Veränderung der Gravitationskonstante). Die Laserentfernungsmessung zu Satelliten muss um den Refraktionsanteil der  Atmosphäre korrigiert werden. Zukünftige Anstrengungen zielen darauf, einen maximalen Automatisierungsstand zu erreichen, um mit minimalem Personalaufwand eine hohe Messbereitschaft (24 Stunden) zu gewährleisten.  Im weiteren Verlauf wurde uns der Betrieb der  VLBI Station erklärt. Die Messungen mit dem 20m Radioteleskop  liefern Beiträge zur Laufendhaltung des raumfesten Bezugssystems (ICRF),  des erdfesten Bezugssystems (ITRF) und der zur Transformation zwischen beiden Systemen notwendigen Erfassung der Erdrotationsparameter (Himmelspol, Polbewegung, UT1 – UTC). Beobachtete wird Mikrowellenstrahlung von Quasaren in den Frequenzbereichen des S - und X – Bandes, die mitsamt Zeitinformationen auf Datenträger aufgezeichnet werden. International herrscht ein Standard von derzeit 1 Gbit pro Sekunde. Aufgrund fehlender Kooperation mit der Telekom ist ein solcher Standard in Deutschland nicht finanzierbar. Daher werden die Datenmassen auf speziellen Festplattenpaketen (8 x 200 GB), die die herkömmlichen Magnetbänder ablösen,  abgespeichert und auf dem Luftwege zum Korrelator verschickt. Nach Durchlauf des Korrelationsprozesses, d.h. gemeinsame Auswertung aller gleichzeitig beobachteten Daten der beteiligten Stationen, stehen als Beobachtungen die  Laufzeitdifferenzen der Signale von den Quasaren zu den Stationen zur Verfügung. Zur Korrelation betreibt das BKG, gemeinsam mit dem Max – Planck   - Institut für Radioastronomie und dem Geodätischen Institut Bonn, in Bonn ein MK4 Korrelator.  Nächster und letzter Programmpunkt war die Besichtigung des  Ringlasers. Ringlaser oder Laserkreisel sind absolute Rotationssensoren, d.h. sie messen die Drehgeschwindigkeit, ohne sich auf ein externes Referenzsystem beziehen zu müssen. Große Ringlaser sind in der Lage die Drehgeschwindigkeit der Erde mit hoher Genauigkeit zu messen. Für die Geodäsie sind diese Instrumente interessant, wenn sie in der Lage Variationen in der Drehgeschwindigkeiten der Erde zu erfassen. Der Großringlaser „G“ erfasst kontinuierlich die Drehgeschwindigkeit der Erde mit einer relativen Genauigkeit von 10-8. Die geodätischen Raumverfahren wie z.B. VLBI tun dies mit größerer Genauigkeit, allerdings nur höchstens einige Male pro Woche, und die Ergebnisse  liegen nach tage- bis wochenlanger Auswertung vor. In der hohen zeitlichen Auflösung, der Kontinuität und der unmittelbaren Verfügbarkeit liegen die Vorteile eines solchen Rotationssensors. Die geforderte Genauigkeit macht den  Ringlaser sehr sensibel gegenüber äußeren Einflüssen, wie z.B. Temperatur und Erschütterungen. Um Vibrationen jeglicher Art zu reduzieren, werden sogar Schafe als Rasenmäherersatz auf der Bunkeroberfläche gehalten, da durch einen Mäher hervorgerufenen Erschütterungen in den aufgezeichneten Daten sichtbar werden würden. Zum Abschluss des interessanten und informativen Besuches auf der Fundamentalstation in Wettzell, gab’s lecker Essen. An dieser Stelle noch mal ein herzliches Dank an alle Mitarbeiter für die uns entgegengebrachte Gastfreundschaft und die schmackhafte Bewirtung. Nach diesem fachlich informativen Vormittag gestaltete sich das Nachmittagsprogramm recht humorvoll.  Geführt von einem ein wenig unruhig auftretenden und etwas merkwürdigem Mitarbeiter der Bavaria Filmstudios wurden wir durch viele verschiedene Filmkulissen geleitet. Unsere Reise durch die Filmwelt ging vom „Marienhof“, über die „Rote Meile von St. Pauli“, durchs Dorf der Gallier aus „Asterix und Obelix, in den Himmel mit Fuchur aus Michael Ende’s zeitlosen Epos „Die  unendliche Geschichte“, um danach mit Herbert Grönemeyer und Jürgen Prochnow in die tiefsten Tiefen des Atlantik abzutauchen. Einige auserwählte Studenten hatten das Glück aktiv in die Filmgeschichte einzugreifen, indem sie Szenen des „Traumschiff Surprise“ im Glanze ihrer Selbst darboten. Am Ende dieser fachfremden Führung konnten die schauspielerischen Leistungen unserer Kommilitonen auf Magnetbandspeichermedium käuflich erworben werden.

Mittwoch, 12. Oktober 2005

Am dritten Tag der großen geodätischen Exkursion fand eine Firmenpräsentation der ESRI  Geoinformatik GmbH im Nationalpark-Haus in Berchtesgaden statt. In einem ersten einleitenden Vortrag von Herrn Gerd Buziek gewannen die Zuhörer einen Einblick in die Historie und Organisation der Firma ESRI, sowie dessen Stellung  in der freien Wirtschaft. Die Firma wurde 1969 in Kalifornien, USA gegründet und setzt sich heute aus insgesamt 24 internationalen ESRI Gesellschaften zusammen. Mit rund 4200 Mitarbeitern weltweit und einem Marktanteil von 34%, ist ESRI einer der erfolgreichsten Hersteller von GIS-Technologien. Mit allein 150 Mitarbeitern in Deutschland und der Schweiz werden den  Kunden Geografische Informationssysteme bereitgestellt, um individuelle raumbezogene Fragestellungen bearbeiten zu können. Das GIS interdisziplinär Anwendung finden, zeigte der Vortrag von Herrn Helmut Franz über die Entwicklung  des Nationalparks Berchtesgaden in den letzten Jahren. Durch die Kooperation mit ESRI konnten Herr Franz und seine Mitarbeiter besonders gefährdete Gebiete  im Nationalpark identifizieren und graphisch präsentieren.  Die Anwendung der GIS-Technologie ließ einen Nachweis erbringen, der die Gefährdung des Nationalparks bestätigte. Dadurch vergrößerte sich das Ansehen des Nationalparks in der Öffentlichkeit und schließlich auch in der Politik . Eine Übersicht über die große Produktpalette von ESRI bot ein Vortrag von Herrn Karsten Lessing. Für alle Aufgabenfelder raumbezogener Informationsverarbeitung bietet ESRI  hochwertige GIS-Produkte an. Zu den ArcGIS Desktop-Produkten zählen ArcReader, ArcView, dessen „großer Bruder“ ArcEditor und ArcInfo. Diese können über Erweiterungen mit zusätzlicher Funktionalität ausgebaut  werden. Möchte man eigene Desktop Anwendungen erstellen oder diese  in bereits bestehende Programme integrieren, so ermöglicht ArcGIS Engine ein GIS zum „selber bauen“. Im Anschluss an diese sehr informativen Vorträge, wurde jeder Exkursionsteilnehmer mit einigen Mitbringseln von ESRI beschenkt und nach einem kleinen Imbiss ging es weiter in Richtung Königssee. ESRI hatte uns zu einer Rundfahrt auf dem Königssee eingeladen. Während wir mit dem Schiffchen mit Elektromotor, bis auf wenige Ausnahmen müssen alle Schiffe auf dem Königssee Elektromotoren haben, über den Königssee fuhren, wurden uns die Eigenheiten der Region  näher gebracht. Der Königssee und seine Umgebung überzeugten vor allem durch landschaftliche Schönheit. Der Wald hatte das bunte Farbenspiel eines Laubwaldes im Herbst angenommen und an den steil aufragenden Felswänden bahnten sich an ein paar Stellen Wasserfälle ihren Weg zum See in 100-200 m Höhe. Die Landschaft wirkte auf einen wie gemalt und  für Tourismus in die Realität umgesetzt. Die steilen  Felswände boten uns das Phänomen des Echos, des Echos, des Echos, des Echos… Unser Führer erzählte uns, dass bei einem Gewehrschuss ein sieben bis achtmaliges Echo zu hören sein könnte. Wir wurden des Weiteren auf Bergspitzen wie das Teufelshorn aufmerksam gemacht, sowie eine Bergkette die eine auf dem Rücken liegende junge Hexe darstellte, deren Haar bis ins Tal herunterhing. Bei einem Zwischenstopp an der gegenüberliegenden Seite des Königssees, wanderten wir ein wenig den Berg hinauf und Herr Franz erläuterte uns  Eigenschaften und Besonderheiten des Nationalparks Berchtesgarden anhand von  Beispielen. Wir wurden über das Recht der Bauern zu Weidelandnutzung aufgeklärt, es wurden uns aber auch Geschichten über  Wilddiebe im Nationalpark erzählt. Nach der Rückkehr und abermaligem Betreten des Festlandes, sind wir noch zum Essen eingeladen worden. Speis und Trank waren wie gesamte Fahrt über sehr gut und reichlich. Dieser Mittwoch war sehr interessant und am Nachmittag sehr entspannend. Wie notwendig das für die folgenden zwei Tage war, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Der Königssee ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Allein die Landschaft überzeugt!

Donnerstag, 13. Oktober 2005

Für den heutigen Vormittag stand die Besichtigung des DLR (Deutsches Zentrum für Luft und Raumfahrt) in Oberpfaffenhofen auf dem Plan. Wir kamen dort um 9:00 Uhr an und wurden zunächst  von einer Mitarbeiterin der Presse und Öffentlichkeitsarbeit empfangen, die uns das Zentrum für Luft- & Raumfahrt kurz vorstellte. Anschließend gingen  wir quer über das Gelände in einen anderen Vortagsraum, wo uns Herr Prof. Dr. Schroeder, Mitarbeiter des Instituts für Methodik der Fernerkundung (IMF), einen Gesamtüberblick über den Aufbau, Struktur und Finanzierung des DLR gab: Das DLR ist das nationale Zentrum der  Bundesrepublik Deutschland für Luft- und Raumfahrt und beschäftigt sich in  dieser Funktion mit umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsprojekten  in nationaler und internationaler Kooperation. Über die eigene Forschung hinaus ist das DLR als Raumfahrtagentur im Auftrag der Bundesregierung für die Umsetzung der deutschen Raumfahrtaktivitäten zuständig. Das DLR beschäftigt zurzeit rund 5000 Mitarbeiter und ist in acht Standorten über das gesamte Bundesgebiet vereilt vertreten, mit dem Hauptsitz  in Köln. Das DLR unterhält insgesamt 31 Forschungsinstitute bzw. Test- und Betriebseinrichtungen. Der Schwerpunkt der Forschungsarbeiten liegt in der Raumfahrt. Ein aktuelles wichtige Projekt in der Raumfahrt ist die Internationale Raumstation (ISS), wo die BRD an einem Forschungsmodul beteiligt ist. Wir hörten Vorträge über die Erzeugung von Höhenmodellen aus optischen Daten, über die SRTM-Mission und über den Stand der Terra SAR-X Mission, welche Deutschlands ersten nationalen Fernerkundungssatelliten hervorbringen wird. Dieser Radarsatellit, der 2006 gestartet wird, soll für die Dauer von mindestens fünf Jahren hochwertige Radardaten für die wissenschaftliche Erdbeobachtung liefern. Im vierten und letzten Vortrag ging es um das Kriseninformationssystem (KIS) des DFD (Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum), welches Berichte, Luft- und Satellitenbilder und daraus abgeleiteten thematischen Karten liefert. Ein KIS erlaubt die verschiedenen Datensätze miteinander zu kombinieren und die Resultate mit Informationsgewinn am Bildschirm  oder im Kartenformat unmittelbar darzustellen. Damit können die Entscheidungsabläufe der Krisenstäbe bei Naturkatastrophen effektiv vor Ort unterstützt werden. Nach diesen sehr interessanten Vorträgen besichtigten wir noch das Satellitenkontrollzentrum und aßen anschließend Mittag in der Kantine des DLR. Als letzten Programmpunkt für den Vormittag besuchten wir noch die IKONOS Empfangsstation und machten uns dann wieder auf den Weg zurück nach München. Nach der Mittagspause besuchten wir die Technische Universität München (TUM). Als erstes empfing uns der Leiter des Lehrstuhls für Geodäsie Prof. Dr.-Ing. Wunderlich und führte  uns in das Geodätische Prüflabor. Dort stellte uns der wissenschaftliche Mitarbeiter Dr.-Ing. Karl Foppe, ehemaliger Mitarbeiter des Geodätischen Instituts Hannover, verschiedene Forschungsprojekte des Instituts vor. Die Untersuchung von kinematischen Messinstrumenten wurde uns an zwei Beispielen erläutert. Zum einen wurde auf einem Schienenoval ein auf einer Lokomotive installiertes Rundumprisma von einer Totalstation getrackt. Zum anderen wurde uns der Einsatz von Robotern zum Abfahren von Sollfiguren vorgeführt, die beispielsweise in der Automobilindustrie Anwendung finden. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt sind die ingenieurgeodätischen Überwachungsmessungen in und an historischen Bauwerken, die in zahlreichen Kirchen der Umgebung durchgeführt werden. Zum Einsatz kommen neben Konvergenzmessungen mit Invardrähten auch Neigungs- und Schwingungsmessungen sowie Robotertachymeter. Außerdem werden im Geodätischen Prüflabor Nivellierlatten auf einem Horizontalkomparator in einer Klimakammer und in einem ehemaligen,  als Vertikalkomparator umgebauten Aufzugsschacht, kalibriert. Nach diesen praktischen Vorführungen folgten Vorstellungen der Institute sowie der aktuellen Forschungsschwerpunkte durch die Institutsvorsteher. Herr Prof. Dr. -Ing. Rummel, Leiter des Institutes für Astronomische und Physikalische Geodäsie, war für den neuen internationalen Masterstudiengang ESPACE (Earth Oriented Space Science and Technology). Dieser Studiengang stellt eine Kombination aus Fernerkundung, Raumfahrttechnik, Erdwissenschaften und Navigation dar. Im Anschluss daran gab  uns Prof. Dr.-Ing. Stilla, Leiter des Fachgebietes Photogrammetrie und Fernerkundung, einen allgemeinen Überblick über die Universität und ihre Fakultäten sowie die konkrete Vorstellung der Bachelor- und Masterstruktur des Geodäsiestudiums. Weiterhin erläuterte er uns zusammenfassend den Umfang seiner Forschungsprojekte an seinem Institut. Vom Lehrstuhl für Kartographie präsentierte uns Frau Prof. Dr.-Ing. Meng neben dem Vorlesungsangebot auch aktuelle Forschungstätigkeiten, wie die 3D Generalisierung, das Räumliche Data-Mining  und die Map-based mobile services. Ergebnisse dieser Tätigkeiten wurden anschaulich an abgeschlossenen Diplomarbeiten gezeigt. Zum Abschluss dieser, informativen, aber auch anstrengenden Vortragsreihe, lernten wir Prof. Dr.-Ing. Magel vom Lehrstuhl für Bodenordnung und Landentwicklung kennen. In seiner Funktion als FIG – Präsident (FIG ist eine internationale Vereinigung der Vermessungsingenieure) standen Zukunftsplanungen und der „Frieden in der Welt“ in seinem Vortrag im Vordergrund. Sein Leitsatz war: „Vom Grundstück bis zum Mars“ und er verabschiedete uns in das Münchener Nachtleben mit den Worten: „Halt Maß!“ Nach Beendigung dieser Pflicht, kam die Kür. Unser Touristenführer Prof. Dr.-Ing. Müller wies uns den Weg durch die Münchener Innenstadt zum Augustiner am Platzl, wo der Abend bei bayrischen Spezialitäten  einen gemütlichen Ausklang fand. Kleine Gruppen zogen dann noch weiter durch’s nächtliche München (Geheimtipp: Schwabinger 7 - S-Bahn bis Münchner Freiheit).

Freitag, 14. Oktober 2005

Das letzte Ziel der Exkursion war die Universität der Bundeswehr München in Neubiberg. Nach einer eher ungewollten Rundfahrt  über das Campusgelände erreichten wir das Institut für Geoinformation und Landentwicklung.  Da Herr Prof. Thiemann, Professur für Landmanagement, verhindert war, wurden wir von seiner Mitarbeiterin Frau Dipl.-Ing. Schäuble begrüßt. Sie stellte uns zunächst die Struktur der Universität vor. An der Universität der Bundeswehr studieren zurzeit ca. 3000 Studenten. Die Universität besteht aus einem universitären und  einem Fachhochschulbereich. Insgesamt werden 13 Studiengänge an sieben Fakultäten und in drei Fachbereichen angeboten. Das Studium ist in dreimonatige Trimester untergliedert. Die Zahl der Studierenden im Fachbereich Geodäsie und Geoinformation war in den letzten Jahren mit 7 bis 14 Studenten sehr niedrig. In den Jahren 2006 und 2007 werden 35 bzw. 45 Studenten ihr Studium beginnen. Sie sind die letzten Studenten, die ihr Studium an der Universität der Bundeswehr in diesem Studiengang abschließen können, da dieser im Jahr 2008 eingestellt wird. Anschließend gab Frau Schäuble eine Einführung in die Arbeiten des Instituts für Geoinformation und Landentwicklung. Sie berichtete unter anderem über aktuelle Forschungsschwerpunkte und Projekte des Bereichs. Das Institut ist z.B. an vielen zivilen Projekten in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und in Bayern beteiligt. In diesen Bundesländern wurde der  Landbesitz nach dem Prinzip der Realteilung unter den Erbberechtigten aufgeteilt. Dies führte zu einer Zerstückelung des Grundbesitzes. Um die Flächen effizienter bewirtschaften zu können, findet in einigen Gebieten ein freiwilliger Landnutzungstausch statt. Hierbei handelt es sich um ein einfaches, schnelles und kostengünstiges Verfahren, bei dem auf der Basis von Pachtverträgen der Tausch von Wirtschaftsflächen unter  den Landwirten ermöglicht wird. Die wesentlichen Vorteile des freiwilligen Landnutzungstauschs sind die Schaffung von großen Bewirtschaftungseinheiten, die Kostensenkung in der Arbeitsdurchführung, das Schützen der Flächen vor dem Brachfallen und die Möglichkeit moderne Geräte für die Bewirtschaftung einzusetzen. Im Gegensatz zur klassischen Flurneuordnung bleibt das Eigentum an den Grundstücken unverändert. Für eine erfolgreiche Durchführung ist allerdings eine enorme Eigeninitiative der Grundstückseigentümer erforderlich.  Der zweite Programmpunkt war die Vorstellung des Geodätischen Prüflabors durch Herrn Prof. Heister. Zu den bekanntesten Projekten des Instituts gehören die Systeme zur kinematischen Erfassung von Straßenräumen KiSS (Kinematic Survey System) und sein Nachfolger MoSES (Mobiles Straßen-ErfassungsSystem). Das fahrzeuggetragene System MoSES ist mit digitalen Videokameras, Stereomesskameras und Laserscannern ausgestattet, mit denen die Umgebung aufgenommen wird. Zur exakten Positionierung des Systems werden GPS, IMU und weitere Sensoren verwendet. Bei der Auswertung der Messungen wird ein besonderes Augenmerk auf die Bestimmung der Trajektorie gelegt, der räumlichen Darstellung des Wegverlaufs in Abhängigkeit der Zeit. Sie ist die Basis für weitere Auswertungsschritte. Anschließend stellte Prof. Heister mit RACER ein aktuelles Projekt des Instituts vor. Hierbei handelt es sich um ein Konzept für die automatische und kinematische Gleisvermessung, bei dem ein Tachymeter gemeinsam mit Neigungsmessern und Abstandssensoren auf einem Gleiswagen fest installiert ist. Das besondere an diesem System  ist, dass das Tachymeter nicht horizontiert wird. Am Ende zeigte Prof. Heister uns  einen Film über  die Beteiligung der Vermessungsingenieure beim Bau des Lötschberg-Basis-Tunnels. Die wesentlichen Themen des Films waren die Planung und Vorbereitung, die Bauwerksüberwachung, die Tunnelabsteckung und die Konvergenzmessung. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen in der Mensa der Uni BW traten wir die lange Heimreise Richtung Norden an. Dabei stellte es sich als ungünstig heraus, München an einem Freitagnachmittag umfahren zu wollen. Um kurz nach Mitternacht waren wir schließlich wieder in Hannover. Alle Teilnehmer der Exkursion möchten  sich nochmals sehr herzlich bei der Förderergesellschaft für die großzügige Unterstützung der Fahrt bedanken!