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Große Geodätische Exkursion nach Süd-Skandinavien, 30.09. – 07.10.2006

Samstag, 30. September 2006: Hannover – Kopenhagen

Wider Erwarten pünktlich verließen wir mit Burkhard, dem Busfahrer, und ca. 40 Teilnehmern, darunter Vertreter sämtlicher Institute des Fachbereichs Geodäsie und Geoinformatik der Leibniz Universität Hannover, den Mensaparkplatz in Richtung Norden. Entlang der Vogelfluglinie fuhren wir über die Fehmarn-Sund-Brücke und erreichten pünktlich die Fähre nach Rødby. Nachdem die Vorratslücken im Duty–Free–Shop aufgefüllt wurden, betraten wir das von Harald Blauzahn um 980 geeinte heutige Dänemark. Nachmittags bezogen wir in unserer Jugendherberge in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen Quartier. Der Abend wurde zur individuellen Stadterkundung der 1,2 Millionen Einwohner zählenden Metropole genutzt. Dabei führte uns der Weg angefangen am ältesten Freizeitpark der Welt, dem Tivoli, vorbei an dem Rathaus der Stadt, welches sich durch den höchsten Turm Dänemarks (113 m) auszeichnet. Durch die belebte Innenstadt erreichten wir am späten Abend den Nyhavn und lernten dort die gemütliche Kneipenatmosphäre schätzen.

Sonntag, 01. Oktober 2006: Kopenhagen – Öresundbrücke – Göteborg

Am nächsten Morgen besuchten wir das Danish National Space Center (DNSC), wo uns aktuelle Projekte vorgestellt wurden. Hierzu gehörten z.B. Projekte aus dem Bereich der Geodynamik, der Deformationsanalyse, der Satellitenaltimetrie, der Fluggravimetrie und der Geoidbestimmung in polaren Gebieten. Bei schönstem Sonnenwetter schlenderten wir durch den Kongens Have – Park zum Hafen. Es erwartete uns eine Bootsfahrt, bei der die verschiedensten Facetten Kopenhagens aus Wassersicht gezeigt wurden. Unsere Tour führte uns neben dem berühmten Wahrzeichen  der Stadt, der kleinen Meerjungfrau des Bildhauers Edvard Eriksen aus dem Jahr 1913, unter anderem an dem eindrucksvoll modernen Bauwerk der neuen Oper und den vielfältig gestalteten Hafenstadthäuser und Hausbooten vorbei. Mit diesen ersten schönen Eindrücken machten wir uns gut gelaunt auf den Weg zur nächsten Station unserer Reise – Göteborg. Dabei bot sich uns die Möglichkeit eines der imposantesten Bauwerke, die in den letzten Jahren in Europa entstanden sind, zu sehen sowie auf seine technische  Zuverlässigkeit zu überprüfen. Die Öresundbrücke, die die Verbindung zwischen Dänemark und Schweden herstellt, war wohl das ingenieurtechnisch größte Highlight dieser Reise.

Montag, 02. Oktober 2006: Onsala

Nach einer sehr feuchten und gewittrigen Nacht, sowie gutem Frühstück brachen wir fast pünktlich um 09:05 Uhr zum schwedischen Space Observatorium in Onsala auf. Die Zeichen der Zivilisation nahmen während der Fahrt merklich ab, bis wir gegen 09:40 Uhr das in einer schönen Bucht gelegene Observatorium erreichten. Schon aus der Ferne war die weiße Hülle eines der beiden Radioteleskope zu erkennen. Um 10 Uhr begannen die Vorträge mehrerer Mitarbeiter der einzelnen Institutionen. Gunnar Elgered, Dekan an der Chalmers Technical University of Göteborg, berichtete zunächst über das Department of Radio and Space Science. Dieses besteht aus 8 Forschungsgruppen und einer dem Land Schweden unterstehenden Gruppe. Die Einrichtung betreibt das  Space Observatorium und beschäftigt sich neben Radioastronomie und Astrophysik mit der Vermessung des Weltraums und der Erdbewegung. Die Zahl der Mitarbeiter beläuft sich auf etwa 100. Anschließend folgte ein Exkurs in die Studienstruktur Schwedens. Dort gibt es keinen Studiengang „Vermessung“ oder „Geodäsie“, sondern die Möglichkeit nach einem 5jährigen Studium der Physik  und Astronomie diesen Teilbereich als Vertiefung zu wählen. Den klassischen Geodäsiestudenten gibt es in Schweden also nicht. Der Abschluss des Masterstudiums ist ähnlich dem deutschen Diplom. Einen Bachelor-Studiengang gibt es in Göteborg nicht, jedoch am Royal Institute of Technology in Stockholm. Der Standort Onsala besitzt ein 25 m - sowie ein 20 m - Teleskop, erbaut 1963/64 bzw. 1974/75. Hinzukommen eine GPS-Permanentstation, sowie Einrichtungen zur Schwere-messung. Mit Hilfe der Teleskope werden durch das Department of Radio and Space Science mehrere Aufgabenbereiche abgedeckt. Neben den „klassischen“ geodätischen und astronomischen Aufgaben  wird beispielsweise an der Energiegewinnung für die Zukunft, der Fusions- und Plasmaphysik geforscht. Der nächste Programmpunkt war ein Bericht von Hans-Georg Scherneck, einem Deutschen, der seit Jahrzehnten in Onsala lebt. Er berichtete uns von der Anlage in Onsala, verschiedenen Projekten und auf genauere Nachfrage auch von seinem Lebensweg, der ihn letztlich nach Onsala führte. Neben der Beobachtung von Krustenbewegungen hat er sich viel mit der geophysikalischen Modellierung, „sealevel“ und  „icesheet“ beschäftigt. Ein weiteres Beschäftigungsfeld sind die GNSS. Bei  Messungen stellte sich heraus, dass die GPS-Station in Onsala die höchste Langzeitstabilität aller Stationen auf der Welt aufweist. Antennenkalibrierung sowie Referenzsysteme sind weitere Aufgaben der Station. Nach dem Verzehr eines reichhaltigen  Lunchpaketes hielt Rüdiger Haas, ein ehemaliger Student der Uni Bonn, nun Professor in Göteborg, einen Vortrag. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit verschiedenen VLBI – Projekten und stellte dabei die Hardwareseite in den Vordergrund. Der ausgedehnten Vortragsreihe folgte nun die Besichtigung des 20 m-Teleskops sowie der GPS-Station, betreut durch Hans-Georg Scherneck und Hans Olofsson, Leiter des Observatoriums. Die Hülle des 20 m-Teleskops ist eine reine Schutzhülle, die es vor Wind und Wetter schützt. Das Teleskop war bei der Besichtigung gerade dabei sich zu drehen, da zu dem Zeitpunkt Beobachtungen durchgeführt wurden. Nach dem windigen Ausflug auf dem Observatorium ging es noch einmal in den Vortragsraum für eine weiteren Vortrag über den Satelliten Odin, vorgetragen durch Michael Olberg. Dieser Satellit ist  ein Gemeinschaftsprojekt von Schweden, Frankreich, Kanada und Finnland. Hauptforschungsgebiet ist dabei die Entstehung von Sternen mit Methoden der Radioastronomie. Zum Abschluss unseres Aufenthaltes am Onsala Space Observatorium besichtigten wir noch das 25 m-Teleskop, welches nur ungefähr 50 m vor der Küste gelegen ist.  Anschließend fuhren wir mit dem Bus gegen 15:30 Uhr zurück nach Göteborg. Der Abend dort stand zur freien Verfügung. Neben der Innenstadt und den Hafenanlagen  beäugten einige interessierte Teilnehmer der Exkursion mit Staunen die heimischen Unihockey (Floorball)-künste bei einem  Eliteverein nahe Göteborg, andere fanden den Weg in ein Fußballstadion. Bei mäßigem Wetter ging es dann für einige früher, für andere später mit dem Zug in Richtung Unterkunft nach Torrekulla, wo überraschenderweise die Preise für  wohlschmeckende und große Pizzen für schwedische Verhältnisse sehr günstig waren. In geselliger  Runde ließen wir den Tag ausklingen.

Dienstag, 03. Oktober 2006: Göteborg - Oslo

Am Tag der deutschen Einheit sind wir pünktlich um 9.00 Uhr mit dem Bus nach Oslo aufgebrochen. Auf dem Weg dorthin  haben wir noch einen Abstecher nach Trollhättan (Schweden) gemacht, um uns dort die 32 m hohen Wasserfälle anzusehen. Der Beginn der Nutzung der Wasserfälle zur Energiegewinnung hat im 19. Jahrhundert den Grundstein für die industrielle Entwicklung Trollhättans gelegt, unter anderem haben sich dort die Automobilbauer Saab und Volvo angesiedelt. Die Weiterfahrt nach Oslo verlief ohne weitere Besonderheiten, um ca. 16 Uhr sind wir dort im „Oslo Vandrerhjem Haraldsheim“ eingetroffen. Nach dem Belegen der Zimmer wurden wir mit dem Bus noch zum Osloer Hauptbahnhof gebracht, von wo aus wir Stadtrundgänge in kleineren Gruppen  durch die sehenswerte Osloer Innenstadt durchgeführt haben. Im Rahmen des Rundganges haben wir unter anderem die Universität, das königliche Schloss, das Nobel-Friedenszentrum und die Festung Akershus gesehen.

Mittwoch, 04. Oktober 2006: Oslo

Nach dem Frühstück sind wir um 9.30 Uhr zum Norwegian Computing Center (NR) aufgebrochen, wo es ab 10 Uhr Vorträge zu den folgenden Themen gab: 

 

  • Remote Sensing Research & Development  
  • Semi-Automatic Search For Cultural Heritage Sites In Satellite Images 
  • MIR- Multiple Image Registration 
  • Traffic Statistics Using Satellite Images

Weiterhin wurden im Anschluss zwei  Demonstrationen über halb-automatische Schnee-Erkennung sowie die Wiedererkennung von Gesichtern durchgeführt. Das Norwegian Computing Center („Norsk Regnesentral“) ist eine unabhängige Institution mit zurzeit 55 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Hauptarbeitsgebiete sind die  Überwachung von Umwelt, Klima und Natur sowie  natürliche Ressourcen und Satelliten-Kartographie. Im Anschluss haben wir gegen 13.45 Uhr in der Mensa ein Mittagessen eingenommen und wurden dann mit dem Bus zum Fram-Museum auf der Halbinsel Bygdøy gebracht. Das Polarschiff Fram ist mit einem 220 PSMotor sowie mit der speziellen Bauweise zum Standhalten des Drucks des  Packeises das stärkste Holzschiff der Welt. Es wurde ursprünglich für die Expedition von Fridtjof Nansen von 1893-1896 gebaut, mit der die Drift des Polareises von Sibirien über das Polarmeer vorbei am Nordpol nach Grönland bewiesen wurde. Kein Holzschiff ist auf der Weltkugel nördlicher und südlicher gereist. Nach Schließung des Museums um 16 Uhr sind wir mit dem Bus zum Vigelandpark gefahren. In dem Park sind insgesamt 650 Skulpturen des Bildhauers Gustav Vigeland (1869-1943) ausgestellt, unter  ihnen der bekannte „Trotzkopf“. Das übergreifende Thema der Figuren ist der Lebenszyklus von Geburt bis zum Tod. Nach diesem Rundgang war der „Holmenkollen“ unser nächstes Ziel. Hierbei handelt es sich um den gleichnamigen, 371 m hohen Berg, der 1952 aus Anlass der Olympischen Winterspiele mit einer Sprungschanze versehen wurde. Die Tradition des Ski-Springens an dieser Stelle ist aber schon älter. Von hier aus hat man einen sehr guten Ausblick über das Stadtgebiet von Oslo.

 

Donnerstag, 05. Oktober 2006: Oslo – Kristiansand – Stavanger

Auf der durch Fjorde geprägten Strecke von Oslo zu unserem letzten Ziel Stavanger, hielten wir für einen kurzen Abstecher in Norwegens fünftgrößter Stadt Kristiansand. Die an der Südspitze Norwegens gelegene Stadt ist mit 77.000 Einwohnern die Hauptstadt des so genannten  „Südland“ und einer der  beliebtesten Ferienorte Norwegens. Neben dem Yachthafen der Stadt blieb uns in einem einstündigen Aufenthalt die Möglichkeit die im 17. Jahrhundert vom dänischen König Christian IV. errichtete Festung „Christiansholm“ zu besichtigen. An dieser Stelle wurde  die Stadt 1641 auf einer Strandebene (Christians  Sand) gegründet und somit vor einfallenden Piraten geschützt. Die in einer Schachbrettstruktur angelegte Stadt weist als ein besonderes Highlight eine imposante McDonalds Filiale auf, die in einem klassizistisch geprägten Gebäude aus dem Jahr 1897 ihre Heimat gefunden hat. Durch diese kulturellen Eindrücke gestärkt, wandten wir uns schließlich den verbleibenden 200 km bis Stavanger  und den damit verbundenen Schlaf- und Ausruhmöglichkeiten zu. Geschlagene drei Stunden  später erreichten wir unseren Zielpunkt. Neben dem größten Einkaufszentrum Norwegens lag unser Hotel, welches uns mit einer halben Stunde Wartezeit  in der Kälte und „modernen Keycards“ freundlichst begrüßte. Danach wurden rasch die nahe gelegenen Speisebetriebe erkundet, um die außergewöhnlichen Schlafmöglichkeiten, die aus Einbettzimmern mit einer auf dem Boden zu drapierenden  Zusatzmatratze bestanden, effektiv zu nutzen, womit ein perfekt ausgeruhtes und motiviertes Angehen an den nächsten Tag gewährleistet werden konnte.

Freitag, 06. Oktober 2006: Stavanger

Nach einem ausgiebigen Frühstück in der Lounge der Hotels und den damit verbundenen Problemen mit dem „Bezahlsystem“, machten wir uns auf zur   „Norske Sjøkartverket“, einer hydrografischen Abteilung der norwegischen Landesvermessung. Das Sjøkartverket stellt analoge und digitale See- und Schifffahrtskarten für die norwegischen Hoheitsgewässer her. Nach  der Begrüßung ging es in kleineren Gruppen zu mehreren Vorträgen, in denen wir einiges über die Geschichte, den organischen Aufbau und die Produktionszyklen des Norwegischen Hydrografischen Dienstes erfuhren. Die einzelnen  Aufgabenbereiche kann man in die Vermessungstätigkeiten, die Speicherung  der Messinformationen in Datenbanken und den Weg zur fertigen Karte unterteilen. Im letzten Bereich wurde der Stand der  Digitalisierung von analogen Karten zur Herstellung von Electronic Navigation Charts (ENCs) thematisiert. Der geodätisch relevante Beitrag ist die Erfassung der bathymetrischen Messdaten mittels des Multibeam-Echolot-Verfahren und die Positionierung und Orientierung der Sensorik auf dem Boot durch GPS. Zur Halbzeit gab es eine kleine Tee- und Kaffeepause bei der man das Gehörte verarbeiten und ein paar Worte mit einigen Mitarbeitern wechseln konnte. Nach dem interessanten Besuch ging es weiter zur Firma Schlumberger. Um 12:45 trafen wir pünktlich auf den Parkplatz der Firma Schlumberger ein. Nach einigen Schwierigkeiten bei  der Parkplatzsuche wurden wir von einem freundlichen Mitarbeiter begrüßt, der uns auch gleich zum Lunch in die Kantine eingeladen hat. Nachdem wir die typisch norwegischen  Brote mit kalten und warmen Getränken genossen hatten, gingen wir gemeinsam in das „Demo-Center“ der Firma. Das „Demo-Center“ ist ein großer Vorführraum mit Leinwand, wo üblicherweise Gespräche zwischen Kunden und Schlumberger-Mitarbeitern stattfinden. Nach einer etwas genaueren Beschreibung der Arbeitsbereiche der Firma Schlumberger, wurde uns das Programm „Inside Reality“ vorgestellt, welches ein Auswerteprogramm für seismische Messungen ist. Das Besondere an diesem Programm ist, dass es den Nutzer mit geeignetem Equipment ermöglicht die Szenerie, welche zuvor messtechnisch aufgenommen wurde, dreidimensional zu  überblicken. Nachdem die Schlumberger-Mitarbeiter nun unsere volle Aufmerksamkeit hatten, erzählte uns die Personalmanagerin, welche Berufsgruppen bei Schlumberger gesucht werden und wie die firmeninterne Betreuung abläuft. Hierbei stellte sich  auch heraus, dass es sich bei Schlumberger keinesfalls um einen Ölkonzern handelt, der selbst Bohrungen durchführt. Vielmehr ist es eine „Service Company“, dessen Aufgabe es ist Techniken, Softwarelösungen und weitere Dienstleistungen an die Erdölkonzerne zu liefern, um sie bei der Erdölsuche und -förderung zu unterstützen. Im Unternehmen arbeiten 64000 Mitarbeiter aus 140 Nationen, sodass es nicht verwunderlich ist, dass die firmeninterne Sprache englisch ist. Die norwegische Hauptzentrale der französischen Firma Schlumberger liegt in Stavanger, jedoch gibt es weitere Niederlassungen in Oslo, Trondheim und Bergen. Um 16:30 verließen wir dann die Firma Schlumberger und machten uns erst einmal auf den Weg zum Fähranleger. Da wir noch eine längere Wartezeit vor uns hatten, konnten wir die Zeit nutzen und uns noch einige Gassen in der Altstadt von Stavanger ansehen, ehe der Regen uns dann doch überlegen war und wir beschlossen zurück zum Bus zu gehen. Um 19:30 war es dann soweit - wir durften endlich auf die Fähre. Nachdem alle ihre mehr oder weniger geräumigen Kabinen bezogen hatten, traf man sich zumeist auf dem „Sonnendeck“ der Fähre von der wir  das Ablegen und Verlassen des Hafens beobachteten.  Nachdem alle notwendigen Einkäufe in dem Duty - Free - Shop getätigt wurden, ließ man die Woche noch einmal Revue passieren, ehe es nach einer kurzen Nacht wieder in den Bus gen Heimat ging.