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Große geodätische Exkursion nach Frankreich (Paris und Toulouse) vom 05.10.2008 bis 12.10.2008

Sonntag, 05.10.2008

Am Sonntag um 7:00 verließen wir Hannover in Richtung Paris. Die Fahrt verlief ereignislos und wir kamen in den frühen Abendstunden in Paris an, wo starker Verkehr die Durchfahrt bis zum Hotel verzögerte. Nach dem Abendessen im Hotel stand der Abend zur freien Verfügung und viele nutzten die Gelegenheit einige der Sehenswürdigkeiten von Paris zu besuchen.

Montag, 06.10.2008

Der Montag begann mit einem ganztägigen Besuch der Labore des Insitut Géographique National (IGN). Das IGN ist  eine staatliche Behörde, die jegliche Art von Geoinformationen für Frankreich und die Übersee-Départements bereitstellt und aktualisiert. Vergleichbar ist die  IGN mit der LGN (Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen), mit dem Unterschied, dass das IGN zentralistisch von Paris aus für das ganze Land agiert. Neben einer Schule, der École nationale des sciences géographiques  (ENSG), an der die Techniker, Kartografen und Ingenieure ausgebildet werden, gibt es vier Forschungsinstitute, die sich mit folgenden Aufgabenbereichen befassen: Das LAREG (Laboratoire de Recherches en Géodésie) widmet sich der geodätischen Grundlagenforschung. Im LOEMI (Laboratoire d'optique et de Micro-Informatique) werden die Instrumente, welche für die Arbeiten der IGN benötigt werden, entwickelt. Das COGIT (Conception Objet et Généralisation de l'Information Topographique) beschäftigt sich mit der Generalisierung topografischer Information. Im MATIS (Méthodes d'Analyses et de  Traitement d'Images pour la Stéréorestitution) wird die Bild-  bzw. Vektordatenbank gepflegt.  Weiter werden Routinen entwickelt, um die Herstellung verschiedenster Endprodukte (Karten, DGM etc.) zu verbessern bzw. zu unterstützen. Im Genot-Raum der IGN wurden wir in Empfang genommen und zu einer Reihe von Präsentationen über die Forschungsaktivitäten der vier Laboratorien LAREG, LOEMI, COGIT und MATIS in eine Aula geführt.  Dort informierte man uns über die Organisationsstruktur der IGN und dessen Stellung im Geoinformationssektor Frankreichs als bis 1940 militärischen Dienst und heute zentrales Geoinformationszentrum, sowie über Ergebnisse und Ausblicke aktueller und aufkommender Projekte. Bis zu deren Herausgabe 2007 beteiligte sich das IGN an der Auswertung von VLBI-, GPS-, DORIS- und SLR-Messungen zur jüngsten Realisation des Internationalen Terrestrischen Referenzsystems ITRS durch dessen Referenzrahmen ITRF2005. Vertiefend erhielten wir Einblicke in die Auswertestrategien des Satellite Laser Ranging SLR. Weitere zentrale Aktivitäten sind die Erstellung altimetrischer Modelle zu Land und See, sowie die semiautomatische Gebäuderekonstruktion anhand hochauflösender Luftbilder zusammen mit registrierten Vektordaten zur Schaffung einer neuen großmaßstäbigen Karte Frankreichs, sowie ein terrestrisches stereoskopisches Aufnahmesystem von Straßen. Nach dem Mittag ging es in zwei Gruppen durch die beiden Laboratorien des COGIT und des MATIS. Dort wurden uns die  Arbeitsweise und die Struktur der Arbeitsgruppen anhand von Vorträgen und Ergebnissen aus den jeweiligen Arbeitsbereichen vermittelt. Das COGIT unterteilt sich in fünf  Teams, welche vom Einlesen von Daten über Generalisierungsprozesse bis zum Design der Legende an der Erstellung von Karten beteiligt sind. Im MATIS wurde an unterschiedlichen Stationen ein kurzer Einblick in die entwickelten Programme gewährt. Der Arbeitsbereich ARCHI fährt mit einem Auto, welches mit Kameras, Laserscanner und GPS ausgerüstet ist, die Straßen ab, erstellt 3DAnsichten und entwickelt Algorithmen zur automatischen Erkennung von Verkehrszeichen. Das BRIGE hat eine semiautomatische Gebäude-Rekonstruktion aus Luftbildern entwickelt und bei LASER wurde die Bearbeitung von LaserscannerDaten vorgestellt.

Dienstag. 6.10.2008

Am zweiten Morgen traf man sich  gemeinsam um 9 Uhr vor dem Pariser Observatorium (Observertoire de Paris), der Pariser Sternwarte. Nachdem wir in zwei Gruppen aufgeteilt wurden, führten uns zwei Mitarbeiter durch das Gebäude und berichteten über die Geschichte der Sternwarte. Das Pariser Observatorium von dem Archtiekt Claude Perrault entworfen und wurde 1666 von Ludwig XIV. gegründet Seit  dem 17. Jahrhundert gehört es zu den renommiertesten Forschungsstätten der Astronomie. Das  Pariser Observatorium ist eine Forschungseinrichtung die in fünf  Departments und verschiedene weitere Untereinheiten unterteilt ist.  An ihr wirkten unter anderem drei Astronomen aus der Familie Cassini als Beobachter und Entdecker im äußeren Planetensystem und als Sternwartedirektoren. Ein Mitglied der Familie Cassini, Jacques Cassini war es auch, der im Jahr 1718 den Meridian von Paris – einen von vielen Nullmeridianen  – festlegte. Er ging durch dieses Observatorium und damit auch durch Paris. Er wurde 1806 von François Arago exakt berechnet. 1995 wurde dieser bis 1884 gültige Meridian durch den Künstler Jan Dibbets mittels kleinen, in den Boden eingelassenen „Arago-Medaillons“ sichtbar gemacht.  Ausserdem besichtigten wir ein Spiegelteleskop aus dem Jahr 1870 auf dem Dach des Observatoirums. Dies ist auch heute noch voll funktionsfähig wird aber meist nur für Studentische Anwendungen genutzt.  Nach der geschichtlichen Führung durch das Perrault-Gebäude hatten wir  die Möglichkeit sechs Experimente anzuschauen. Aufgeteilt in mehreren Gruppen war es jedem möglich zwei Experimente zu besichtigen. Auf dem Foto rechts ist eine „Optical Lattice Clock With Strontium Atoms“ zu sehen.

Mittwoch 7.10.2008

Am dritten Tage haben wir Paris verlassen und sind mit dem Bus nach Toulouse gefahren. Die ca. 700 km lange Fahrt dauerte ca. 8 Stunden. Nach der Ankunft im Hotel Castellane sind wir noch gemeinsam durch die Innenstadt von Toulouse gegangen um einen kleinen Überblick zu erhalten. Die geplante Stadtführung fiel aus Zeitgründen aus.

Donnerstag den 9.10.2008

Heute stand der Besuch der französischen Weltraumbehörde CNES  (Centre National d’Etudes Spatiales) auf dem Programm. Nach strengen Sicherheitskontrollen wurden wir mit Kaffee und Präsenten herzlich begrüßt. Es folgte eine Einführung in den Aufbau und die Projekte der CNES. 1961 entstand die französische Raumfahrtagentur, die sowohl für militärische als auch für zivile Zwecke zuständig ist. Insgesamt sind in der CNES 2400 Personen angestellt, 700 davon arbeiten allein in Toulouse.  Der erste Vortrag beschäftigte sich mit der Lebenszeit und den Risiken von Objekten im All, insbesondere mit dem „Weltraumschrott“.  Im Anschluss bekamen wir einen Einblick in die Anwendung der Bildverarbeitung bei CNES. Beim Besuch der Forschungslabore stand die Entwicklung der  Weltraumtechnologien im Mittelpunkt. Hier wurden uns einige Bauteile von verschiedenen Satellitenmissionen und die Analyse von Defekten mit Hilfe von geeigneten Programmen gezeigt.   Besonders interessant war der Besuch des ATV-Kontrollzentrums, der uns die sonst nur aus dem Fernsehen bekannte Atmosphäre näher brachte.  Die ATV-Mission wurde erst vor wenigen Wochen beendet und bot somit ein aktuelles Beispiel für die Arbeit der CNES. Nach einem leckeren Mittagsessen in der Kantine folgte ein weiterer Vortrag, indem uns ein Überblick über die Bildanalyse und deren Ergebnisse z. B. für Erdbeben- und Tsunamigebiete verschafft wurde.  Im Anschluss an den Besuch des CNES  stand der verbleibende Nachmittag zur freien Verfügung und ermöglichte eine nähere Erkundung von Toulouse.

Freitag 10.10.2008

Am Freitag waren ein Besuch bei  Spotimage und eine Werksführung mit anschließender Besichtigung einer Concorde  geplant. Um ca. 9 Uhr verließen wir dafür das Hotel Castellane in Toulouse, um mit dem Bus in den Parc Technologique du Canal zu Spotimage in der Rue Satellites zu fahren. Dort angekommen wurden wir freundlich empfangen und im Rahmen zweier Präsentationen sowohl über die Firmenstruktur und die allgemeinen Aufgabengebiete als auch über die Produkte im speziellen informiert.  Spotimage besteht aus der Hauptstelle in Toulouse und 5 Filialen in Australien, China, den USA, Japan und Singapur sowie drei weiteren Büros in Brasilien, Mexiko und Peru. Die Firma gehört mit ihren 255 Mitarbeitern zum größten Teil zu Astrium, einer Tochter des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Hier ist Spotimage im Bereich Astrium Services vertreten. Ziel ist es, Satellitenbilder und geographische  Informationen für private und öffentliche Stellen bereitzustellen. Dafür sind zurzeit drei SPOT-Satelliten im Einsatz, die Bilder mit Auflösungen von bis < 2,5 m (panchromatisch) und < 5 m (Farbe) liefern. Ende 2009 sollen zwei weitere Satelliten des  Typs Pleiades noch hochauflösendere Satellitenbilder (< 1 m) zu den beiden Empfangsstationen in Frankreich und Schweden senden können.  Anschließend wurden wir durch die Büros der Zentrale geführt, in denen die Mitarbeiter mit der sogenannten Pixel-Factory-Software Orthophotos und Mosaike produzierten und auswerteten. Aus den 124 Mosaiken, die Korea darstellen entstand so beispielsweise eine einzige Bilddatei, die 250 GB groß ist. Zum Abschluss des Besuchs konnten wir den Überflug eines SPOT-Satelliten über Europa bzw. Frankreich anhand der Stellung der Empfangsantenne, der aktuell gesendeten Bilddaten und einer Übersichtskarte mitverfolgen.  Gegen 12 Uhr verließen wir Spotimage  und fuhren mit dem Bus weiter in den Nordwesten von Toulouse zu Airbus. Nach einem ausgiebigen Aufenthalt im AirbusMerchandise-Shop hatten wir zunächst die Möglichkeit, in einer originalgetreuen Nachbildung des technischen Kontrollraums mit Bild und Ton den Jungfernflug des A380 zu beobachten. Dieser Erstflug fand am 27.April 2005 vor tausenden Zuschauern in Toulouse statt. Der Airbus A380 ist mit bis zu 525 Passagieren das 96größte Passagierflugzeug der Welt. In  den riesigen Fertigungshallen, die wir anschließend von einer Besucherplattform aus besichtigten, findet die Endmontage von bis zu vier Flugzeugen gleichzeitig statt.  Die Zeit bis zur Fertigstellung beträgt ca. ein Jahr. Zu diesem Zeitpunkt waren erst 6 Maschinen ausgeliefert, jedoch 120 bestellt, worunter auch 15 Bestellungen auf die deutsche Lufthansa zurückgehen. Viele der Bauteile eines A380 werden dabei auch in Deutschland (Hamburg) hergestellt und aufwendig mit Schiffen und Schwertransportern nach Toulouse geliefert. Ähnlich verhält es sich mit dem Transport von den Produktionsstandorten in Spanien und Großbritannien. Die individuelle Lackierung und Innenausstattung wird letztendlich auch in Hamburg durchgeführt, bevor die Flugzeuge dann vom Kunden entgegen genommen werden können. Nach der Werksführung folgte die Besichtigung einer Concorde. Diese war das erste Flugzeug, was mit Überschallgeschwindigkeit fliegen konnte. So konnte die Strecke Paris-Washington in 3 Stunden zurückgelegt werden. Allerdings waren die Flugtickets mit ca. 8000 EUR auch vergleichsweise teuer. Im Endeffekt wurde der Flugbetrieb der 20 Concordes, die seit den 70er/80er Jahren zum Einsatz kamen, im Oktober 2003 aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Nach dem Besuch bei Airbus stand der restliche Abend zur freien Verfügung und wir konnten auf einen interessanten und ereignisreichen Tag zurückblicken.

Samstag 11.10.2008

Die Betten waren noch warm und das Gemurre groß, als es hieß Aufstehen am letzten Tag der geodätischen Exkursion in Frankreich. Beim Anblick des französisch dürftigen Frühstücks stieg jedoch schnell  die Freude und Sehnsucht auf den gewohnten Alltag. Um etwa 10 Uhr  sammelte sich die Gruppe vor dem Hotel Castellane, um die vorerst letzten Schritte in Toulouse zu gehen. Rasch wurde der Bus beladen und nach einer natürlich auftretenden Auslese an Stammplätzen besetzt. Die Ansprache, zur Planung des Tages, war kurz und eindeutig. So dauerte es nicht lange, bis sich der Großteil in einem Buch oder Gespräch vertiefte oder sich gar in seiner Müdigkeit verlief. Das Reiseziel Carcassonne wurde mit geteilter Meinung  und Erwartung an das Erscheinungsbild nach wenigen Stunden erreicht. Majestetischen Hauptes und weiten Blickes über Lande ertürmte sich die Burg vor unseren Füßen. Es ließ nicht lange auf sich warten und die Gruppe erstürmte, mit Neugierde bemannt, den äußeren, urtümlich städtischen Bereich. Treffpunkt war das Zentrum und der  Hauptübergang zum Adelssitz. Dort angekommen wurden wir bereits von einer netten französischen Dame, der Leiterin der anstehenden Rundführung über den inneren Burgwall, erwartet. Hierbei gab es eine Menge zum geschichtlichen Hintergrund  Frankreichs und dieser Burgstadt zu erfahren. Zusammengefasst lassen sich dazu einige Dinge nennen. Die Stadt Carcassonne wurde von den Römern im 1.Jahrhundert v. Chr. gegründet und mit einem Wall gegen Angreifer geschützt. Dies verhinderte aber nicht, dass die Herrschaft zwischen Westgoten, Saraziner und Franken wechselte.  Im 12. Jahrhundert spielte die Stadt eine wichtige Strategische Rolle im Süden Frankreichs aufgrund ihrer Lage zur spanischen Grenze. Unter der Dynastie der Trencavel (1082-1209) war die Blütezeit  von Carcassonne. Es lebten mehrere tausend Einwohner in der Stadt.  Während der Kreuzzüge, gepredigt von Papst Innozenz III,  wurde die Stadt von Simon de Montfort belagert und am  15. 08.1209 eingenommen. 1224 gelangte die Stadt mit ihren Ländereien in den Besitz des Königreichs unter Philipp II. August. Während der Regierungszeiten von Ludwig IX, Philipp dem Kühnen und Philipp dem Schönen erhielt die Stadt ihr heutiges Gesicht. Durch den Einsatz von modernem Kriegsgerät wie Kanonen und Schießpulver, sowie dem Pyrenäenfrieden von 1659 verlor Carcassonne seine Aufgabe als Festung.  98Im 19.Jahrhundert restaurierte  der Architekt Villoet-le-Duc die Altstadt und ihre Stadtmauer. Seit 1997 gehört die Festung zum UNESCO Weltkulturerbe. In der Stadt leben heute ca. 60 Einwohner und die Fläche innerhalb der Mauern beträgt etwa 9 ha. Nachdem wir, wie aus der Uni bekannt, mit einem Überdruss an Informationen entlassen wurden, lag es nun an unserer Eigeninitiative die Umgebung zu erkunden, uns zu vergnügen und zu verköstigen. Zeit blieb jedoch nicht viel, da noch die Rückfahrt nach Hannover anstand und diese, auf die zurückzulegende Wegstrecke bezogen, ein  gewisses Maß an Geduld benötigte. Schließlich kamen alle gegen 14 Uhr wieder am Bus zusammen, wo wir uns von einigen Studenten verabschiedeten, die ihre Weiter- bzw. Rückfahrt eigenständig verfolgen wollten. Der Rest begab sich dagegen daran, den wohl anstrengendsten Teil der gesamten Exkursion anzutreten der Interaktion von Körper und Sitzgelegenheit im Dauertest. Nach anfänglichem Klärungsbedarf zwischen dem studentischen Volke der Rückbanksitzer und dem Busfahrer, bezüglich der Belüftung und des Entertainments, folgten einige Stunden im Bus gen Heimat. 

Sonntag 12.10.2008

Die Fahrt verlief weitgehend  ohne Probleme, sodass wir in einem angemessenen Tempo vorankamen. Am So den 12.10. kamen wir morgens um 9 Uhr in Hannover an. Von den Anstrengungen gezeichnet, konnte doch eine allgemeine Zufriedenheit vernommen werden, an solch einer interessanten geodätischen Exkursion teilgenommen zu haben.