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Große geodätische Exkursion 2010 Zürich – Hospental – Genf – St. Gallen (23.05.10 – 29.05.10)

Sonntag, 23.05.2010

Am Sonntagmorgen startete gegen kurz nach zehn Uhr vor dem Geodätischen Institut Hannover die große geodätische Exkursion 2010. An der Fahrt nahmen zweiundzwanzig Studenten und sechs Mitarbeiter teil. Das erste Ziel der Reise war die Jugendherberge in Zürich. Diese erreichte unsere Gruppe nach staufreier Fahrt kurz nach zwanzig Uhr. Der Abend in Zürich stand zur freien Verfügung. Die meisten Teilnehmer erkundeten Zürich und kleinen Gruppen aßen zusammen Abendbrot. Einige Studenten nutzten auch die Zeit um versteckte Geocaches mit GPS-Handgeräten zu suchen, was ihnen auch gelang.

Montag, 24.05.2010

Wir verließen die Jugendherberge in Zürich gegen neun Uhr und fuhren mit dem Bus nach Winterthur. Winterthur liegt ca. 26 km nordöstlich von Zürich. Wir kamen dort gegen zehn Uhr an und wurden von unseren Stadtführern begrüßt. Zuerst wurde uns ein wenig über Winterthur erzählt. Dabei stellten wir fest, dass die Firma Sulzer AG eine wichtige Rolle in der Winterthurer Stadtgeschichte spielte. Diese Firma wurde 1834 gegründet und begann als Eisengießerei mit ca. 5000m² Firmenfläche. An die Firma schlossen sich dann im Laufe der Jahre immer mehr Produktionsketten an. Dazu gehörte unter anderem die Produktion von Dampfmaschinen, die später durch die Produktion von Dieselmotoren abgelöst wurde. Zu dieser Zeit war die Sulzer AG der Hauptarbeitgeber in der Stadt. Ab 1990 wandelte sich aber das Unternehmen immer mehr in einen Technologiekonzern um und es wurden immer mehr Arbeitsplätze in der Produktion abgebaut. Dadurch entstanden in Winterthur immer mehr Industrieelle Brachflächen. Nachdem man uns diesen Teil der Stadtgeschichte näher gebracht hatte, wurden wir über das ehemalige Produktionsgelände geführt. Dort zeigte man uns, was aus den nicht mehr benötigten Gebäuden der Sulzer AG geworden ist. Es gab zwar dort noch die ein oder andere leer stehende Produktionshalle, aber auf einem Großteil des Geländes sind Wohnungen und Einkaufsmöglichkeiten entstanden. Eines der alten Gebäude wurde in eine Eventhalle umfunktioniert und dient jetzt für Feste und Konzerte in Winterthur. Bei unserer Führung wurde auch darauf eingegangen, dass man früher in Winterthur viele Arbeitskräfte brauchte. Mit dem Schließen der Produktionsstätten hat sich dies aber geändert. Heute wohnen die Menschen hauptsächlich nur noch in Winterthur und arbeiten in Zürich. Gegen zwölf Uhr endete unsere Führung über das Gelände. Insgesamt wurden uns viele interessante Aspekte der Stadtsanierung in Winterthur gezeigt. Nach der Führung blieb uns bis dreizehn Uhr Zeit, uns mit Verpflegung zu versorgen.Danach fuhren wir mit dem Bus zum Diplom-Geograf Toni Mair nach Unterägeri. Dieser Ort liegt ca. 37 km südlich von Zürich. Dort kamen wir gegen vierzehn Uhr an. Toni Mair ist Reliefbauer der in Anlehnung an die Vorbilder Xaver Imfeld, Carl Meili und Eduard Imhof versucht die strengen Maßstäbe der alten Meister zu erreichen. Zahlreiche Reliefs von Toni Mair stehen in namenhaften Museen und Instituten im In- und Ausland. Er hat uns durch sein Atelie in seinem Haus geführt und uns erzählt wie er die Reliefe herstellt. Zuerst baut er eine Holzschablone mit Hilfe von Höhenlinien aus topografischen Karten. Daraus wird dann eine Kautschukschablone hergestellt, in die danach der Gips gegeben wird. Wenn der Gips getrocknet ist, wird das Relief ausgearbeitet. Hierzu benutzt Toni Mair Fotos, die er bei Ortsbegehungen des Gebietes gemacht hat. Er arbeitet so markante Stellen des Gebirges heraus die es in keiner Karte gibt und das Relief erhält danach seine Farbe. Anschließend werden je nach Maßstab Häuser, Bäume und andere bedeutende topografische Objekte auf das Relief aufgeklebt. Bei großen Maßstäben benutzt Toni Mair zum Beispiel meistens Sand in unterschiedlichen Farben für die Bäume. Es kann aber auch sein, dass jeder Baum bei einer kleinmaßstäbigen Karte aus einer Zahnstocherspitze besteht. Bei dieser aufwendigen Arbeit ist es kein Wunder, dass Toni Mair für die Herstellung eines Quadratmeter Relieffläche etwa dreihundert bis dreihundertfünfzig Arbeitsstunden braucht. Als Andenken an unseren Besuch hat er uns ein großes Relief vom Val Bregaglia / Bergell im Maßstab 1:25000 geschenkt. Das Bergell ist ein Tal welches zum größten Teil zum Kanton Graubünden gehört. Der restliche Teil gehört zur italienischen Provinz Sondrio.Nach unserer Führung durch das Atelier sind wir gegen siebzehn Uhr zu unserer Jugendherberge in Hospental aufgebrochen. Hospental ist ein kleines Alpendorf, welches auf dem Sankt Gotthard liegt. Dort hatten wir den Abend zur freien Verfügung. Nachdem sich jeder mit Essen verpflegt hatte, traf sich die Mehrheit der Reisegruppe im Aufenthaltsraum der Jugendherberge um den Abend zusammen ausklingen zu lassen.

Dienstag, 25.05.2010

Nach der ersten Nacht in der Jugendherberge in Hospental sind wir um ca. acht Uhr in Richtung Pollegio aufgebrochen. In Pollegio befindet sich neben dem Südportal des Gotthard Basistunnels auch das Infocentro Gottardo, welches unser Ziel an diesem Tag war. Nach einstündiger Busfahrt über kunstvoll gebaute Serpentinen sind wir in Pollegio angekommen. Der erste Programmpunkt war ein Vortrag vom Leiter der Vermessung Herrn Adrian Ryf. In diesem Vortrag erzählte er uns, dass der Gotthard-Basistunnel 57 km lang und damit der längste Eisenbahntunnel der Welt sein wird. Der Tunnel besteht aus zwei einspurigen Röhren, die in einem Abstand von ca. 40 m parallel verlaufen und ca. alle 300 m durch Querstollen verbunden sind. An den Drittelspunkten in Sedrun und Faido werden Nothaltestellen eingebaut, die mit der Oberfläche verbunden sind. Außerdem ist an diesen Stellen auch ein Spurwechsel der Bahnen im Tunnel möglich. Um die Bauzeit und die Kosten zu optimieren, erfolgt der Vortrieb gleichzeitig in fünf Teilabschnitten mit unterschiedlicher Größe. Nachdem Herr Ryf uns die Fakten des Tunnels erzählt hatte, ging er auf die Vermessungsarbeiten bei diesem Projekt ein. Er fing bei der Absteckung des Projektes an und endete bei der hochpräzisen Lotung im Schacht Sedrun. Dieser Schacht geht 800 Meter senkrecht in die Tiefe. Die Positionsübertragung vom Schachtkopf auf das Tunnelniveau wurde einmal optisch und einmal mechanisch durchgeführt, um systematische Fehler auszuschließen. Durch die beiden hochgenauen Messverfahren konnte eine Standardabweichung von 0,3mgon erreicht werden.Nach dem Vortrag teilten wir uns in zwei Gruppen, die nacheinander die Tunnelbaustelle besichtigen sollten. Nachdem alle Gruppenmitglieder mitSchutzhelm, Overall und Notatemgerät ausgestattet waren, wurden wir zur nächstgelegenen Nothaltestelle im Tunnel gefahren. Diese befindet sich im etwa nördlich gelegenen Faido. Die Nothaltestelle erreichten wir über einen 2,7 km langen Zugangstunnel, der mit 12 % Gefälle in den Berg führt. Nebenstollen und Nothaltestellen wurden nicht wie der übrige Tunnel mit einer Tunnelbohrmaschine gebohrt, sondern in den Berg gesprengt. Bei der Untertage herrschenden Temperatur von über 30° C besichtigten wir die Tunnel der Nothaltestelle und die Hauptröhre. Durch die noch nicht ausgebaute Hauptröhre führte bis dato nur eine Grubenbahn zum Abtransport des Abraums. Nach der Rückkehr der ersten Gruppe machte die Zweite dieselbe Tour.Nachdem sich wieder alle am Bus eingefunden hatten, ging es wieder in Richtung Hospental. Auf der Rücktour wurden noch zwei Zwischenstopps eingelegt. Der Erste war in Airolo, um unserer Essenreserven aufzustocken. Der Zweite war auf dem Gotthard-Pass, wo noch am Straßenrand Schnee lag. Dieser wurde spontan für eine Schneeballschlacht zwischen den Exkursionsteilnehmern genutzt. Nach der Schneeballschlacht kamen wir gegen achtzehn Uhr wieder an der Jugendherberge an. Dort trafen wir uns wieder im Aufenthaltsraum der Jugendherberge, um den Abend zusammen ausklingen zu lassen.

Mittwoch, 26.05.2010

Bergfest! Nach morgendlicher Quälerei aus einem der luxuriösen 12-Bett-Zimmer, anstehen an der Dusche und pünktlicher Abfahrt um acht Uhr dreißig aus Hospental, zeigte man uns nun endlich, was man alles mit viel Platz und guten Ideen schaffen kann. "Progetto San Gottardo", das aktuelle Vorzeigeprojekt für die Tourismusentwicklung in der Schweiz.Unter der Leitung von Jean-Daniel Mudry haben sich die vier Kantone Wallis, Uri, Tessin und Graubünden zu einem Projekt zusammengeschlossen, dass die wirtschaftliche und räumliche Entwicklung am Sankt Gotthard vorantreiben soll. Ab neun Uhr wurden wir dann in mehr oder weniger aufschlussreichen Vorträgen in die Materie eingeführt. So erfuhren wir, dass sich ein schwerreicher ägyptischer Bauunternehmer namens Samih Sawiri dazu entschlossen hat, jede Menge Geld in die Gegend um Andermatt zu investieren. Und hier ist einiges geplant: mehrere Luxushotels, ein 18-Loch-Golfplatz, Einkaufspassagen und Verwöhntempel für die Superreichen. Aber auch die Normalbürger kommen hier auf ihre Kosten: Erholung und Abenteuer sind in den Bergen garantiert.Nach diesen einleitenden Worten und einem ersten Panoramablick über das Tal ging es um dreizehn Uhr zum Mittagessen. Ein Dank geht hierbei an unsere Betreuer Sebastian Horst und René Gudat, die sich aufgrund der uns von der Förderergesellschaft der Fachrichtung zur Verfügung gestellten Mittel spontan dazu entschieden, das Mittagessen komplett zu spendieren. Danach ging es dann bis sechzehn Uhr darum, dass die 4 Gotthardregionen zusammenwachsen sollen und wollen. Primär soll es dabei um die Bereiche93Verkehr und Infrastruktur gehen. Diese sollen möglichst optimal an dieBedürfnisse der Feriengäste und Touristen angepasst werden. So strebt man eine gemeinsame Regelung für die Passöffnungen und eine zukünftige Nutzung der Gotthard-Bergstrecke auch nach der Öffnung des Gotthard-Basistunnels an. Viel zu tun also für das Organisationsteam.Nach Danksagung an und Verabschiedung von Jean-Daniel Mudry verließen wir um ca. sechzehn Uhr Andermatt in Richtung Genf, wo wir nach einem anstrengenden und interessanten Tag um zwanzig Uhr in unserem Hostel eintrafen. Die Teilnehmer nutzten den Abend, um die Stadt zu erkunden und sich mit Essen und Trinken zu versorgen.

Donnerstag, 27.05.2010

Der Donnerstagmorgen begann um neun Uhr mit einem Spaziergang zum Genfer See. Das Wetter an diesem heiter bis bewölkten Tag war wie für diesen kleinen Ausflug geschaffen. Vom Genfer See aus kamen wir gegen elf Uhr am „Palais des Nation“, dem Hauptsitz des Büros der Vereinten Nationen, an und bekamen eine kleine Führung. Es war beeindruckend das imposante Gebäude sowie die mit den Flaggen aller Mitgliedsstaaten gesäumte Zufahrtsstraße zu sehen. Es wurde berichtet, dass jährlich ca. 600 große Konferenzen und über 8000 Treffen der UNO dort abgehalten werden. Seit 1966 ist das „Palais des Nation“ neben dem Hauptquartier in New York die zweit wichtigste Einrichtung der UNO. Vorher war diese UN Einrichtung im Genfer Palais Wilson angesiedelt, in der auch heute noch der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR) ansässig ist. Anschließend an die Besichtigung des UN Gebäudes wollten wir in der Kantine des CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléar) zu Mittag essen, was jedoch leider ausfallen musste, da wir uns zu lange am Büro der Vereinten Nationen aufgehalten hatten. So fingen wir also gegen vierzehn Uhr mit dem Vortrag über die European Organisation for Nuclear Research, so der offizielle Name des CERN, an. Hierbei wurden uns die Hauptbeweggründe der Errichtung des CERN sowie das grobe Funktionsprinzip und aktuelle Forschungsstände vermittelt. So lernten wir, dass die ca. 3400 Mitarbeiter und die über 8000 Gastwissenschaftler aus 85 Nationen jährlich rund 724 Millionen Euro zur Verfügung gestellt bekommen. Damit betreiben sie den 27 km langen und ca. 100 m tief gelegenen Teilchenbeschleuniger LHC (Large Hadron Collider) unter der Stadt Genf. Die Wissenschaftler lassen dort nahezu mit Lichtgeschwindigkeit mehrere Atome aufeinanderprallen, um die Zustände zu simulieren, welche Billionstel von Sekunden nach dem Urknall geherrscht haben müssen. Sie hoffen so Einblicke in die Entstehung des Universums zu bekommen. Es war ein spannender und gut strukturierter Vortrag, der lebendig vorgetragen wurde. Am späten Nachmittag fuhren wir gegen siebzehn Uhr zu unserer nächsten Unterkunft nach St. Gallen gefahren und haben den Abend dort gemütlich in der Stadt ausklingen lassen.

Freitag, 28.05.2010

Am Morgen unseres letzten Exkursionstages war das Wetter sehr wechselhaft. Wir fuhren um neun Uhr nach Heerbrugg zur Firma „Leica Geosystems“. Dort wurden wir herzlich empfangen, bekamen Namensschilder und wurden in den Vortragsraum geführt. Wir hörten dort Vorträge zur Orthofotokamera, zum 3-D Scanner und zum GNSS- System. Anschließend machten wir eine Werksführung durch die Hallen. Unter anderem wurden wir durch das Optiklabor geführt, wo per Hand die modernsten optischen Geräte gefertigt werden.Dort bestaunten wir die physikalischen Zusammenhänge der Lichtbrechung und bekamen große Augen im Fertigungslabor... Wie viele Tausende von Euros da nur so rumstanden! Hier wurden die optischen und mechanischen Komponenten der Geräte per Hand zusammengebaut, justiert und getestet. Mittags ging es dann in die Kantine zum Essen. Abschließend gab es noch eine Führung durch die zeitliche Entwicklung der Leica Geräte. Nachdem wir ein Gruppenfoto vor dem Leicagebäude geschossen hatten, fuhren wir gegen siebzehn Uhr zur Jugendherberge nach St. Gallen zurück. Unseren letzten gemeinsamen Abend haben wir dann in der Stadt verbrachten.

Samstag, 29.05.2010

Am Samstag brachen wir nach dem Frühstück gegen neun Uhr in Richtung Hannover auf.Die Rückfahrt verlief ruhig und ereignislos. Die meisten Exkursionsteilnehmer verbrachten die Fahrt eher schlafend, da die gesamte Woche sehr anstrengend war. Gegen neunzehn Uhr kamen wir dann in Hannover an und eine spannende und interessante Exkursion ging zu Ende.