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Große Geodätische Exkursion nach Polen 2012

Sonntag, 27.05.2012

Ankunft in Posen

Am frühen Pfingstsonntagmorgen trafen sich die Teilnehmer der Großen Geodätischen Exkursion am Schneiderberg und der Bus der Firma Artal fuhr pünktlich ­vor. Am späten Nachmittag erreichten wir nach 540 km Fahrt das erste Etappenziel – Posen.

Nachdem wir unsere Betten bezogen hatten, trafen wir uns zur kleinen Stadtführung. Professorin Beata Medynska-Gulij von der Adama Mickiewicza Universität hieß uns in ihrer Stadt willkommen und führte uns entlang einiger Sehens­würdig­keiten bis zum Marktplatz.

Posen ist eine der ältesten und mit rund 555.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Polens. Ein Großteil des Stadtkerns wurde nach dem zweiten Weltkrieg rekonstruiert, nachdem er zerstört worden war.

Nun stand noch etwas Zeit zur Verfügung, um die Stadt, die sich gerade auf die Fußball Europameisterschaft 2012 vorbereitete, auf eigene Faust zu erkunden, bevor sich ein Großteil unserer Gruppe zu einem gemeinsamen Abendessen im „Gasthaus unter den Böcken“ traf.

Montag, 28.05.2012

Besuch der Abteilung für Kartographie und Geoinformation der Adam Mickiewicz Universität

Am nächsten Morgen trafen wir uns alle nach einem guten Frühstück vor dem Hotel. Um ca. 8.30 fuhren wir dann zusammen mit dem Bus zur Abteilung für Kartographie und Geoinformation der Adam Mickiewicz Universität in Posen.

Die Universität umfasst ca. 52.000 Studenten, 3.000 Mitarbeiter, davon 301 Professoren. In kleinen Gruppen besuchten wir unter Anderem das Fernerkundungslabor, das hydrologische Labor, sowie das karto­graphische Archiv der Abteilung. Hier werden Spektralanalysen des Erdbodens durchgeführt und dessen Reflexionseigenschaften untersucht, sowie Stand und Änderung des Grundwasserspiegels auf dem Campus im Bezug zu  Wetter- und geologischen Phänomenen untersucht.

Am Ende des Besuches konnte noch der schöne Ausblick vom Dach des Institutes bewundert werden. In der Kantine folgte noch ein gemütliches Beisammensein bis der Busse zur Weiterfahrt nach Borowiec bereit stand.

Das Astrogeodynamische Observatorium bei Borowiec

Das Observatorium liegt 20 km südöstlich von Posen, nahe Borowiec und wurde in den 50er Jahren gegründet. Im Rahmen der Führung wurden wir über die verschiedenen Funktionen und Tätigkeiten informiert. Das Satellitenobservatorium betreibt lokale und globale geodynamische Studien und führt zu diesem Zweck regelmäßige Satelliten-Distanzmessungen und GPS-Messungen durch.

Zum Einen ist das Observatorium Teil des EUREF- Referenz­stations­netzes und arbeitet mit dem International Earth Rotation Service zusammen, zum Anderen hilft die Station mit einer Cäsium Atomuhr bei der Realisierung der internationalen Atomzeit (TAI). Des Weiteren steht ein Laserteleskop zur Distanzmessung zu verschiedenen Satelliten zur Verfügung. Die Distanzmessungen helfen bei der Berechnung und Korrektur der Bahnparameter und geben dadurch Aufschluss über die Beschaffenheit des Erdschwerefeldes

Am Nachmittag so gegen 15 Uhr ging es dann weiter nach Warschau. Dort checkten wir gleich nach der Ankunft am Abend ins Hostel ein und erkundeten die Stadt.

Dienstag, 29.05.2012

Besuch der kartographischen Abteilung der Universität Warschau

Als erster Programmpunkt stand am Dienstag ein Besuch der kartographischen Abteilung der Universität Warschau auf dem Plan. Die Fakultät der Geodäsie und Kartographie unterteilt sich in drei Institute, die wiederum in weitere Fachbereiche unterteilt werden, zu denen unter anderem auch der Fachbereich Karto­graphie gehört. An die Begrüßung der Fakultätsleitung schloss sich ein kurzer Vortrag der Leitung des Fachbereichs Kartographie an, von der wir Infor­ma­tionen über die allgemeinen Forschungs­inhalte und Ver­öffentli­chungen der letzten Jahre bekamen. Unser Besuch der Universität Warschau endete auf dem Dach der Universitätsbibliothek, von wo aus wir den Ausblick über Warschau genießen konnten.

Besuch des Informationszentrums der Untergrundbahn Warschau

Anschließend hörten wir im Informations­zentrum für den Bau der 2. U-Bahnlinie in Warschau zwei Vorträge. Der erste Vortrag „Design and Construction of 2nd line of underground in Warsaw“ stellte den Bau der 2. U-Bahnlinie in Warschau vor. Diese stellt mit über 27 Stationen die Verbindung zwischen östlicher und westlicher Seite der Hauptstadt her, deren Baukosten rund 1,4 Mrd. € betragen. Ein wichtiges Arbeitsgerät beim Bau der Tunnel ist die TBM (Tunnel-Bohr-Maschine). Sie besitzt einen Durchmesser von 6,3 m und 16 hydraulische Zylinder, die Druck erzeugen und mit denen die Bohrrichtung variiert werden kann. Das Glätten und Bohren erfolgt durch die TBM in einem Arbeitsschritt, so können ca. 10 m Tunnelstrecke pro Tag fertig gestellt werden.

Den zweiten Punkt bildete ein Vortrag über Monitoringsysteme von Leica Geosystems Polen. Das Unternehmen besteht seit etwa sechs Jahren in Polen, zu dessen wichtigsten Produkten, Tachymeter, GPS-Empfänger, Laserscanner sowie photogrammetrische Sensoren für Luftbilder gehören. Die Monitoringsysteme finden bei Deformationsmessungen wie der Überwachung von Tunneln, Gebäuden und Staumauern sowie Erdrutsch- und Setzungserfassung bei Bergbauarbeiten Anwendung.

Nach dem Vortrag waren wir gemeinsam in einem Restaurant essen und erkundeten die Stadt. Am Abend gab es schließlich noch die Möglichkeit bei einer Stadtführung die historische Altstadt und deren Sehens­würdigkeiten kennen zu lernen. Bei einem gemeinsamen Abendessen gab es die Möglichkeit die polnische Spezialität „Piroggen“ in verschiedenen Varianten kennen zu lernen.

Mittwoch, 30.05.2012

Führung durch den Braunkohle Tagebau Belchatow

Der Tag begann mit einer längeren Fahrt von Warschau in Richtung Belchatow. Nachdem die Exkursionsteilnehmer auf zwei geländegängige Personentransportwagen aufgeteilt wurden, startete die holprige Fahrt in den 300m tiefen Tagebau.

Der Tagebau ist mit einer Fläche von über 42km² das größte in Europa. Bis 2019 soll der Rest der Braunkohle abgebaut werden und bis 2038 sind der Abbau der Maschinen und der Beginn der Flutung zu einem See geplant. Der Tagebau wurde bis 2009 klassisch überwacht, doch seit 2009 gibt es das Monitoring. Es sind 60 Kontrollpunkte und viele GPRS-Stationen vorhanden, welche automatisiert die Kontrollpunkte stündlich messen. Im Tagesablauf treten Bewegungen von bis zu 2 cm auf. Ab einer Abweichung von 5 cm gibt es einen Alarm und eine Evakuierung wird veranlasst. Insgesamt hat der Tagebau samt anschließendem Kraftwerk 7000 Beschäftigte, 100-200 Personen sind direkt im Tagebau beschäftigt und arbeiten 24 Stunden am Tag im 3-Schicht-System.

Die dort eingesetzten Maschinen übertreffen alle möglichen Maßstäbe, die wir bis dahin kannten. Die Förderleistung vom 33 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr, die dementsprechende Spuren in der Landschaft hinterließ, wird in dem anliegenden Kraftwerk direkt zur Stromerzeugung verwendet. Der Abbau erfolgt in 2 Phasen. Zuerst wird der Abraum mit dem 80 m hohen und 7500 t schweren Bagger abgebaut. In der zweiten Phase wird dann letztendlich die Braunkohle gewonnen.

Heute fördert der Tagebau ca. 33 Mio. Tonnen Braunkohle jährlich, was über 50% der gesamten Fördermenge in Polen ausmacht. Durch das Auffinden neuer Braunkohlevorkommen kann weiterhin die günstige Energie in Form von Braunkohle abgebaut werden.

Am Ende verließen wir mit den Transportfahrzeugen den Tagebau und bekamen von der Betreibergesellschaft einen Überblick über die Zukunft der Energieerzeugung in Polen. Zudem konnte eine Ausstellung über Funde, wie Fossilien, die bei der Förderung zu Tage kamen, begutachtet werden.

Anschließend ging die Fahrt weiter nach Krakau, auf der wir zu einem gemeinsamen Abendessen unterwegs stoppten.

Donnerstag, 31.05.2012

Sightseeingtour in Krakau

Der Donnerstagmorgen begann mit einer knapp vierstündigen Stadt­führung durch Krakau. Die zweitgrößte Stadt Polens hat ca. 760.000 Einwohner und zeichnet sich durch viele historische Sehenswürdigkeiten aus, die im zweiten Weltkrieg überwiegend von Kriegszerstörungen verschont wurden. Unter Anderem besichtigten wir das jüdische Viertel samt Synagoge, sowie die Anlage des Schlosses Wawel. Die ehemalige Residenz der polnischen Könige liegt durch dicke Mauern befestigt auf einem Hügel mitten in der Stadt, an dessen Fuß die Weichsel entlang fließt. Gespickt mit vielen interessanten, historischen Informationen endete die Stadtführung im Herzen der Stadt an der Marienkirche, in deren Nordturm zu jeder vollen Stunde das Krakauer Trompetensignal gespielt wird, welches auch an den Mongolenangriff im Jahre 1241 erinnern soll.

Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz

Der zweite Teil des Tages begann mit einer Führung durch das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. Das Lager nahe der polnischen Stadt Oswiecim ist Mahnmal für die vielen Verbrechen der Nationalsozialisten im zweiten Weltkrieg.

Gestartet wurde die Führung am Tor des Stammlagers Auschwitz I mit der berüchtigten Aufschrift "Arbeit macht frei". Von dort aus wurden die zum Teil noch sehr gut erhaltenen Baracken der sechs Hektar großen Anlage besichtigt, die für Museumszwecke umgestaltet wurden. Berichtet wurde von den allgemeinen Lebensbedingungen der Gefangenen, sowie auch von Einzelschicksalen, wie beispielsweise das von Pater Maximilian Kolbe, der sein eigenes Leben gegen das eines anderen Gefangenen eintauschte. Nach einer kurzen Gedenkminute wurde zum Abschluss der Tour durch das Stammlager noch das Krematorium I besichtigt.

Nach einer kurzen Pause wurde die Tour im sieben km entfernten Lager Auschwitz II - Birkenau fortgeführt. Das 150 ha große Lager wurde 1941 errichtet und ist kurz vor Kriegsende fast vollständig von den Nazis zerstört worden. Die wenigen erhaltenen Hütten und die angedeuteten Ruinen lassen nur noch erahnen, in welchem Ausmaß dort mit den Gefangenen umgegangen wurde.

Das Ende der Tour bedeutete zeitgleich auch das Ende des Programms an diesem Tag, sodass die gesammelten Eindrücke verarbeitet werden konnten und uns die restliche Zeit des Tages zur freien Verfügung stand.

Freitag und Samstag, 01. und 02.06.2012

Besuch der Firmen Compass SA und MGGP in Krakau, sowie der AGH University of Science and Technology

Letzter offizieller Tag in Polen. Nach einer ereignisreichen Woche, begann der Freitag recht entspannt und nach dem Frühstück gab es um zehn Uhr den ersten Termin. Es wurden die Firmen „COMPASS S.A.“ und „MGGP“ in Krakau besucht, die sich beide unter anderem sehr intensiv im Bereich der Photogrammetrie beschäftigen.

Aufgeteilt in zwei Gruppen wurden die Produkte und Arbeitsweisen der Unternehmen vorgestellt. Nach dem freundlichen Empfang durch die Mitarbeiter, wurde bei „COMPASS S.A.“, einem Unternehmen, dass sich auf die Verarbeitung von räumlich erfassten Daten spezialisiert hat, ein aktuelles Projekt zur 3D-Visualisierung der Innenstadt von Krakau präsentiert. Hierbei ging es um die Erfassung der Daten, die Aufbereitung und Weiterverarbeitung zum endgültigen Modell unter Verwendung von Luftbildern.

Nach ungefähr einer Stunde erfolgte dann der Wechsel zu „MGGP“. Das Unternehmen beschäftigt sich vorrangig mit der Erstellung von digitalen Geländemodellen und Karten, sowie der Erfassung von räumlichen Daten und deren Integration in Geoinformationssysteme. Es wurde ein aktuelles Projekt vorgestellt, dass sich mit der Neuerstellung einer landesweiten digitalen Gewässerkarte von Polen beschäftigt. Dabei wurde auch auf Schwierigkeiten in der Umsetzung des Vorhabens, insbesondere auch in der Zusammenarbeit mit den Nachbarländern, eingegangen.

Direkt nach dieser interessanten Einführung in den Tag ging es direkt in die AGH University of Science and Technology. Dort wurden wir vom Leiter der Fakultät für Bergbau, Vermessungs- und Umwelt­ingenieur­wesen begrüßt, anschließend erfolgte eine Einführung in die Tätigkeits­bereiche. Nach einer interessanten rund einstündigen Präsentation begaben wir uns in die Mittagspause, die viele von uns nutzen, um noch einmal die wunderschöne Altstadt von Krakau zu besuchen und sich für die bald anstehende Rückfahrt mit Verpflegung einzudecken.

Besichtigung des Salzbergwerkes in Wieliczka

Den Abschluss des letzten Tages und damit der ganzen Woche bildete der Besuch im „Salzbergwerk Wieliczka“. Die Salzmine befindet sich seit mehreren Jahrhunderten und auch heute noch in Betrieb und fördert Steinsalz. Sie gehört zum UNESCO Weltkultur- und Naturerbe und schon deshalb einen Besuch wert. Unser Besuch begann mit einem Abstieg über 380 Stufen auf die erste Sohle (65 m unter Tage) und führte uns durch rund 20 verschiedene Kammern bis auf die dritte Sohle in 125 m Tiefe. Die Führung endete mit einem erleichterten Aufstieg, da man die Rückfahrt mit dem Bergwerksaufzug bewerkstelligen durfte.

Nach diesem tollen Abschluss unserer Exkursion nach Polen, begaben wir uns doch recht geschafft auf die anstehende Heimreise, über Nacht, zurück nach Hannover, das wir am Morgen des 7. Tages erreichten.