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Auslandsstudium in Melbourne

Jan Dirk Wegner

Am Montag, den 21. Februar 2005 um 18:00 Uhr ging es, nach erfolgreicher Absolvierung letzter Prüfungen des fünften Semesters, bei Schneegestöber und Dunkelheit endlich los auf die andere Seite der Erde. Die erste Etappe mit dem Flugzeug führte von Bremen nach Frankfurt. Von dort ging es weiter nach Singapur, um dann nach insgesamt 26 Stunden Flug am 23. Februar mittags in Melbourne zu landen. Sonnenschein, 30°C im Schatten und ein sehr freundlicher australischer Taxifahrer begrüßten mich am Melbourne Tullamarine Airport. Nachdem weitere ausländische Studenten eingesammelt werden konnten, wurde ich zu einem Studentenheim gefahren, wo ich über das Internet ein halbes Jahr zuvor die eine Hälfte einer kleinen Wohnung reserviert hatte. Dort traf ich auf meinen Zimmergenossen Nathan, US-Amerikaner aus Michigan. Nachdem mein Rucksack erstmal verstaut, die Sonnenbrille ausgepackt und die Kleidung auf Sommer umgestellt war, konnte es mit Australien losgehen. Hier sollte für die nächsten neun Monate mein zu Hause sein und ich konnte es gar nicht abwarten, mit einer Erkundung Melbournes zu beginnen.

Die Twelve Apostels an der Great Ocean Road im Süden Victoria (Bild: Jan Dirk Wegner)

Melbourne liegt an der Port Phillip Bay, einer großen Bucht im Süden Victorias, einem von insgesamt sieben states Australiens. Victoria liegt im Südosten des Kontinents und ist nach Tasmanien flächenmäßig der kleinste state, jedoch der am dichtesten bevölkerte, wenn man vom ACT („Australian Capitol Territory“) Canberra absieht. Das Klima ist für australische Verhältnisse mild. Im Sommer sind jedoch Temperaturen bis 40°C möglich, wobei die Luftfeuchtigkeit niedrig ist. Im Winter wird es nicht viel kälter als 5°C und es regnet relativ häufig. Dafür kann es im Sommer zu langen Trockenperioden kommen.

Meine ersten Tage verbrachte ich mit dem Einschreiben für Kurse aus dem Angebot des Geomatics Department, wo ich sehr freundlich willkommen geheißen wurde und sofort große Unterstützung erfuhr. Für jedes Semester sind 50 Kreditpunkte vorgesehen. Die meisten Kurse haben einen Umfang von 12,5 Kreditpunkten, sodass jedes Semester insgesamt vier Kurse belegt werden. Jeder Kurs besteht aus Vorlesungen und Übungen. Alle Übungen werden benotet und fließen meistens zu 40% in die Endnote des Kurses ein. Die restlichen 60% der Benotung ergeben sich aus einer dreistündigen, schriftlichen Klausur. Jedes Semester besteht aus zwölf Vorlesungswochen, die von zwei Wochen „easter break“ bzw. „spring break“ unterbrochen werden. Nach einwöchiger Vorbereitungszeit zu Ende der Vorlesungszeit beginnt der dreiwöchige Prüfungszeitraum. Im Gegensatz zu deutschen Verhältnissen finden die Prüfungen der Geodäten nicht in kleinem Rahmen statt, sondern meistens zusammen mit 3000 weiteren Studenten aller Fachbereiche. Prüfungsort ist das „Royal Exhibition Centre“, eine riesige Halle aus dem 19. Jahrhundert.

Ball der Melbourner Geomatics Fachschaft MUGS (Bild: Jan Dirk Wegner)

Das Geomatics Studium an der University of Melbourne dauert vier Jahre und führt zu einem Bachelor Abschluss. Viele Studenten absolvieren jedoch einen fünf Jahre dauernden „combined degree“ und kombinieren so Geomatics mit einem weiteren Fach wie „computer sciences“ oder „architecture“. Auch zunächst abwegig erscheinende Kombinationen mit z.B. Japanisch sind üblich.

Neben einem anspruchsvollen Studium ist jedoch immer genug Zeit für die Erkundung des roten Kontinents geblieben. Einer meiner ersten Trips führte mich in den Norden Victorias, an die Ufer des Murray River. Unter uralten Eukalyptusbäumen wurde am Ufer gezeltet und zum ersten Mal kam bei mir echtes „outback feeling“ auf. Temperaturen um 30°C, baden im Fluss, abendliche Lagerfeuer, das Kreischen von Kakadus hoch oben in den Bäumen und Ausflüge in das nahe gelegene Outbackstädtchen Echuca lassen mir diese erste Tour unvergesslich werden. Im Mai folgte eine Reise nach Tasmanien, eines der für mich beeindruckensten Erlebnisse. Hoch oben über Hobart auf dem Mount Wellington zu stehen, den Blick bei hervorragend klarer Sicht nach Süden zu richten und sich als nächste Landmasse die Antarktis vorzustellen, war unbeschreiblich. Weitere Reisen führten mich mit dem Auto die Ostküste hinauf ins tropische Cairns, sowie nach Neuseeland.

Vor einem See in den Dünen von Frazer Island, Queensland (Bild: Jan Dirk Wegner)

Wochenenden wurden mit Ausflügen in die nähere Umgebung oder mit Surfen verbracht. Unendlich lange, menschenleere Sandstrände sind innerhalb von zwei Stunden Fahrt gut zu erreichen und sind der ideale Kontrast zur pulsierenden Metropole Melbourne. 4,5 Millionen Einwohner aus allen Ländern der Erde machen Melbourne zu einem Schmelztiegel der Kulturen. Mein australischer Alltag gestaltete sich entsprechend international, angefangen beim Strassenbahnfahrer aus Bangladesch auf dem Weg zur Universität, über japanisches Sushi zum Lunch bis zum abendlichen Salsatanz im kubanischen Klub. Außerdem haben Kommilitonen und Dozenten aus aller Welt meine Zeit am Geomatics Department sehr abwechslungsreich und spannend gemacht.

Genau wie bei deutschen Geodäsie-Studiengängen hat sich als hervorragende Kontaktbörse die Melbourner Geomatics-Fachschaft herausgestellt (MUGS: Melbourne University Student Society). Bei gemeinsamen Grillfesten, Aussi Footballturnieren und Bällen konnte ich schnell australische Kontakte knüpfen. Ein Höhepunkt meiner Zeit in Australien ist sicher die Teilnahme am „Dynamic Planet“ Kongress in Cairns gewesen. Mit Unterstützung meiner Hannoveraner Professoren und des DVW konnte ich wissenschaftliche Diskussion und internationalen Wissensaustausch auf höchstem Niveau miterleben. Die große Bandbreite der Themen, ihre herausragende Relevanz für ein besseres Verständnis des Systems Erde und nicht zuletzt interessante Kooperationen mit verwandten Fachbereichen haben mich sehr fasziniert.

Am 25. November 2005 um 10:00 Uhr bin ich bei Schneetreiben wieder in Bremen gelandet. Mitgebracht habe ich außer Souvenirkoalas eine völlig neue Perspektive der Geodäsie, viele neue Freundschaften, Begeisterung für globale wissenschaftliche Kooperation sowie großes Selbstvertrauen. Das Erkennen umfassender Zusammenhänge auf fachlicher wie menschlicher Ebene hat mir viele neue Impulse gegeben und mich sehr glücklich gemacht. Meine internationalen Kontakte dauern an und erste Besuche in Ecuador, Chile und den USA sind fest anvisiert.

Auf der Spitze des Mount Wellington mit Sicht auf Hobart, der Hauptstadt Tasmaniens (Bild: Jan Dirk Wegner)

Jan Dirk Wegner

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